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Wirtschaftsschreiberlinge und Gesundheitswesen

Regelmäßig ärgere ich mich über das Geschreibsel zum Thema Gesundheitswesen, welches in Wirtschaftsmagazinen oder politischen Zeitschriften erscheint. Man sieht auf den ersten Blick, dass diese Leute wenig Ahnung von Gesundheitswesen und den darin ablaufenden Vorgängen haben und insbesondere noch nie innerhalb des Gesundheitswesens gearbeitet haben.
Dass im Gesundheitswesen der Schweiz zuviel Geld vorhanden ist und dass gespart werden kann, ist richtig. Die wichtigsten Kostenverursacher sind aber nicht die Anbieter sondern die Nachfrager und die Intermediäre. Allen voran die sogenannten Zivilisationskranken, die ihr eigenes körperliches und psychisches System und ihre Lebensführung – aus was für Gründen auch immer - nicht im Griff haben sowie unsere überalterte Gesellschaft. Dies kann in den Statistiken des Bundes (BfS) jederzeit nachgelesen werden. Daneben glänzen auch die Versicherer, sogar im Grundversicherungsbereich mit satten Hierarchiemodellen und Organigrammen, welche jeden Armeekorpskommandanten alt aussehen lassen. Lösung: Weg mit den vielen CEOs, CIOs, CFOs und C*Os, Einheitskasse für die KVG Basisversicherung, da im KVG-Bereich eh alle das Gleiche anbieten müssen. Sollen sich die Versicherer doch im lukrativen Zusatzversicherungsbereich tummeln dürfen.
Immer beliebter in der Diskussion, und auch teils von der Ärzteseite (FMH) portiert, sind namentlich Managed-Care Modelle und Fallpauschalen (DRGs). Mit Managed Care wird kein Geld im grossen Stil eingespart werden können. Ich werde als Patient nämlich nicht billiger, weil ich mich zuerst ins Wartezimmer eines Grundversorgers setze oder mich mit irgend einem Call-Agenten über mein Problem auslasse, sondern weil ich regelmässig vier Stunden Sport pro Woche treibe, mein Gewicht in Ordnung halte, nicht rauche, mässig trinke und keinen grob ausschweifenden Lebensstil führe. Belohnt soll ich jetzt aber nur fürs Warten und Telefonieren werden – nicht fürs Sorge geben, grotesk nicht wahr?
Mit der Einführung der DRGs stirbt auch der letzte Teil von Humanität im Spital. Die wichtigste Person im Spital ist dann nicht mehr der Patient oder die Ärztin, sondern der Kodierer. Je kränker und risikobehafteter er den Patienten codemässig erfassen kann desto mehr Geld fliesst, der Kodierer mutiert zum Herrn über Leben und Tod seines Spitals. Dort wo das finanzielle Risiko zu gross wird für das Spital, werden Patienten rasch und effizient möglichst in andere Spitäler entsorgt oder von Anfang an abgelehnt.
Von wegen zuviel Personal im Spital: Kommentar erübrigt sich, schlicht Ökonomensalat – allerdings zwei Wochen über das Datum hinaus abgelaufen.
Prävention fängt im Kopf an, und dieses Denken muss beim Einzelnen vielleicht mit etwas Druck angeregt werden. Insbesondere die „Zivilisationsfaulen“ können mit einfachen Mitteln, z.B. Messen des Body-Mass-Indexes alle drei Jahre und entsprechendes Festlegen der risikogerechten Prämien relativ rasch zu vermehrtem gesundheitsfördernden Handeln ohne kassenfinanzierte Fitnessstudios und ähnlichen Gewissen beruhigenden Flops motiviert werden. Bezüglich der Prävention und der kurativen Medizin gibt es übrigens einen Kausalzusammenhang: Je billiger die kurative Medizin ist, desto weniger Prävention erfolgt – warum auch - der „Doc“ kostet ja eh nichts. Ein Erfolgsmodell ist diesbezüglich die schweizerische Zahnmedizin. Konsequenterweise müssten demzufolge die kurativen Tarife nach oben gehen, und zwar massiv.
Mit den Schreiberlingen bin ich einverstanden, den Leistungskatalog massiv einzuschränken. Dies muss aber zwingend in einer offen Diskussion unter Mitbeteiligung aller interessierter Bürger erfolgen und nicht etwa durch das erfolgsverwöhnte BAG oder EDI administriert werden. Eigentlich brauchen wir nur eine Versicherung, welche unsere, allerdings bekannterweise unterschiedlichen, Hochrisikobereiche abdeckt.
Last but not least: Spitalplanung kann nicht dem Zentralstaat übertragen werben, in der Regel funktionieren solche staatliche Planungen schlecht oder gar nicht. Hier wäre es intelligenter, die Spitäler (auch die Staatlichen inklusive der Unikliniken) dem freien Markt zu übergeben. Damit würde nämlich auch das Märchen der rentablen 500-Betten-Spitäler rasch sterben. Große Einheiten sind nicht effizienter, sondern Motivierte. Vorausgesetzt, dass nicht jedes Spitälchen seinen Spitaloberdirektor, seinen Finanzdirektor, seinen Pflegedirektor, seinen „Food and Beverage-Manager“ und seinen „Human Ressources-Manager“ unterhält, sondern dies aufgrund der kleinen Größe auf eine Person zusammenfasst (Ich bekleide alle diese Ämter in meiner siebenköpfigen Arztpraxis und bin daneben auch noch Servicemonteur für verschiedene, kleine Geräte und tropfende Wasserhähne, produziere mit meinem Team dennoch günstig und verdiene eigentlich recht).